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Junge Autisten in Netphen für den Alltag stärken

Zweimal 500 Euro für das Autismus-Therapie-Zentrum in Netphen-Unglinghausen. Die Schecks halten in den Händen Detlef Schildknecht, Geschäftsführer von Town & Country, und Einrichtungsleiterin Katrin Beltermann.

Das Therapie-Zentrum Unglinghausen erhält Spendengelder, die in zwei neue Projekte fließen

Unglinghausen.. „Unsere Arbeit ist keine mehr zu haben“, bringt es eine Mitarbeiterin des Autismus-Therapie-Zentrums Netphen auf den Punkt. Wenn möglich, würden sie und ihre Kolleginnen in Unglinghausen und den Zweigstellen Wenden und Gummersbach junge Menschen mit Autismus soweit therapieren, dass ihre Zuwendung gar nicht mehr nötig ist. Doch Autismus ist unheilbar. Das ATZ, das in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag feiert, muss und wird fortbestehen.

5000 Euro für Hängevorrichtungen

Um die therapeutischen Möglichkeiten zu erweitern, hat sich das Team um Einrichtungsleiterin Katrin Beltermann gleich mit zwei Projekten bei der Stiftung Town & Country beworben: „Balkensystem Bewegungscenter“ und „Sozialkompetenz Gruppentraining“. Mit Erfolg. Town & Country-Geschäftsführer Detlef Schildknecht besuchte Unglinghausen mit zwei Spendenschecks über je 500 Euro im Gepäck.

5000 Euro sind allein für das Balkensystem veranschlagt, das die Körperwahrnehmung der jungen Klienten stärken soll. „Die Schaukeln sind da noch gar nicht mitinbegriffen“, betont Beltermann, „daher ist jede Spende wichtig für uns.“ In ihrem aktuellen Zustand würde die jetzige Hängevorrichtung nicht über den TÜV kommen.

Auch das Gruppentraining, bei dem vier bis sechs autistische Kinder und Jugendliche mit zwei Therapeuten zusammenarbeiten, ist kostenintensiv. Speziell entwickelte Gesellschaftsspiele, die Titel tragen wie „Das Land der Gefühle“ oder „Tut-mir-gut-Spiel“ können pro Exemplar schnell mit 100 Euro zu Buche schlagen. Dazu kommt Fachliteratur.

Erfolge sind absehbar: Der Probelauf in Gummersbach zeigt, dass sich das Sozialverhalten der Behandelten in der Gruppe schnell verbessert. Wurde sich anfangs noch angeschwiegen, werden nun Schwächen eingeräumt, wird offen über die Krankheit gesprochen, das Außenseiterdasein thematisiert, das Selbstbewusstsein gesteigert. Das bestätigt der Austausch mit den Eltern der betroffenen Kinder. Auch wenn Einzeltherapien weiter unverzichtbar sind: „Manchmal fühlt es sich an, als wenn man Höhenangst mit Sprüngen von der Bordsteinkante bekämpft“, sagt eine Mitarbeiterin. Die Praxis zählt.

„Entwicklungsnormalität“ schaffen

Ziel aller Anstrengungen ist es, „Entwicklungsnormalität“ zu schaffen. Dazu gehört auch von zu Hause auszuziehen, sich von den Eltern zu entkoppeln. Die Wohnanlage mit angeschlossenem Zentralhaus, die gerade im Berschebachtal entsteht, wird in drei Gebäuden bis zu 24 autistischen Erwachsenen ein Heim bieten.

Zwar weist Katrin Beltermann ausdrücklich darauf hin, dass es sich beim ATZ und der Autismus-Wohnanlage um zwei voneinander getrennte gemeinnützige GmbHs – und damit auch potenziellen Spendenempfängern – handelt. Doch die Kooperation ist eng. Das ATZ-Team wird das künftige Pflegepersonal der Wohnanlage schulen; Klienten, die in jungen Jahren Therapiestunden in Anspruch nehmen, können, wenn erwachsen, im Berschebachtal wohnen.

Bauarbeiten für die Wohnanlage in vollem Gange

Im Berschebachtal sind die Bagger angerollt: Die Bauarbeiten für den Wohnkomplex für Erwachsene mit Autismus sowie das angeschlossene Zentralhaus haben begonnen. Noch bis Pfingsten soll auch das Bauschild stehen, sagt Manfred Oerter, Geschäftsführer der Autismus-Wohnalage Netphen gGmbH. Kurz darauf folgt die feierliche Eröffnung des Baugrunds.

Die Firma Heinrich Weber aus Siegen ist aktuell mit den Vorarbeiten am 4000 Quadratmeter großen Grundstück beschäftigt. Dazu gehört, die Zufahrtsstraße zu legen, den Mutterboden aufzuschieben und Ausschachtungen für den Rohbau vorzunehmen.

Ein Monat Verzögerung

Der Auftrag für den Rohbau selbst ging an die Arns Bau GmbH aus Wenden-Hünsborn, schon Mitte der kommenden Woche nimmt sie die Arbeit auf. Den anfänglichen Plan, den Komplex im Dezember dieses Jahres bezugsfertig zu haben, hat der nasse März verhagelt. Manfred Oerter geht davon aus, dass die ersten Bewohner Anfang 2017 einziehen können.

Quelle: www.derwesten.de