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Mehr Sicherheit: Unterschätzte Gefahren im eigenen Haushalt

Die meisten Unfälle passieren im Haushalt. Das ist eine erwiesene und allgemein bekannte Tatsache. Viel Hilfe verspricht das Wissen offenbar nicht, denn Jahr für Jahr führen Haushaltsunfälle die Statistiken an. Dabei wären die meisten Ursachen mit minimalem Aufwand auszuschalten. Was fehlt, ist oftmals das Bewusstsein für die Gefahr, die schon von kleinen Dingen ausgehen kann.

Das Problem: Bei Unachtsamkeit ist so gut wie alles im Haushalt dazu geeignet, eine Gefahrenquelle für Gesundheit und schlimmstenfalls sogar Leben zu werden. Wie ernst die Risiken tatsächlich sind, lässt sich an den Zahlen ablesen: Von knapp drei Millionen Haushaltsunfällen pro Jahr geht beispielsweise das Robert-Koch-Institut aus, von denen über 8.000 einen tödlichen Ausgang nehmen. Das ist tragisch und erschreckend genug, wird vor dem Hintergrund, dass ein Großteil aller Unfälle gar nicht hätte passieren müssen, sogar noch schlimmer. Es gilt daher, die Augen offen zu halten für potenzielle Risikofaktoren in den eigenen vier Wänden.

Achtung, Sturzgefahr

Man mag es unter Tolpatschigkeit oder Pech verbuchen, wenn es zu Hause immer wieder zu Stolperern an Teppichkanten oder Türschwellen kommt. Allerdings verbirgt sich hier eine durchaus reale Gefahr. Was im Wohnzimmer vielleicht noch harmlos auf dem Teppich endet, kann auf einer Treppe weitaus schlimmere Folgen haben. So banal es klingen mag, aber der Hauptgrund für Stürze ist immer noch Achtlosigkeit – meist in Tateinheit mit Bequemlichkeit. Da wird der Griff zur Leiter lieber gemieden, die Fenster lassen sich schließlich auch ohne weiteres von einem Hocker, einem Tisch oder am einfachsten von der Fensterbank aus gesäubert. Eine einzige unbedachte Bewegung führt dann unweigerlich zum Verlust des Gleichgewichts und schweren Verletzungen. Auch wenn es länger dauert und unbequem ist – der Griff zu einer rutschfesten Trittleiter ist in dieser Hinsicht immer die wortwörtlich sichere Wahl.

 

Langwierige Verletzungen vermeiden

Aber selbst auf dem Boden können vermeintliche Kleinigkeiten wie verschobene Blumenkübel, die das gründliche Putzen erleichtern sollen, Putzeimer oder Staubsaugerkabel in vielen Fällen schon zum Problem werden. Das gilt insbesondere im Alter, wenn die Trittsicherheit ohnehin altersbedingt nachlässt. Dann ist besondere Vorsicht geboten, weil sich nicht nur das Unfallrisiko, sondern auch die Gefahr einer schwerwiegenden und langwierigen Verletzung droht. Oberschenkelhalsbrüche zählen unter älteren Menschen immer noch zur verbreitetsten Verletzung in Folge eines Sturzes. Auch sonst sind Brüche durch Unfälle etwa im Badezimmer (hier herrscht eben erhöhte Rutschgefahr) keine Seltenheit.

Um die Risiken zu minimieren helfen beispielsweise spezielle Beleuchtungssysteme, die besonders zu späten Stunden für ausreichend gute Sichtverhältnisse sorgen können, um Gefahrenherden aus dem Weg gehen zu können. Ansonsten gilt es, genau solche schon im Vorfeld zu beseitigen: Also Kabel nach Möglichkeit hinter Fußleisten verbergen, Läufer und Teppiche mit rutschfesten Unterlagen oder geeignetem Klebeband fixieren.

Brandgefährlich: Prävention von Bränden

Wie hilfreich schon eine vergleichsweise geringe Sicherheitsmaßnahme im Haushalt tatsächlich sein kann, beweisen die Rauchwarnmelder. Seit der Einführung der Rauchmelderpflicht – für die gesetzlichen Regelungen sind die jeweiligen Landesbauordnungen verantwortlich – konnte dank der kleinen Warnsysteme die Zahl der Brand- und Rauchtoten halbiert werden. Das ist immer noch zu viel und Grund hierfür ist, abgesehen von den direkten Auswirkungen, die etwa das bei einem Schwelbrand entstehende Kohlenmonoxid hat, in manchen Fällen die unzureichende Versorgung mit Rauchwarnmeldern.

Unzureichend bedeutet in diesem Fall nicht nur eine fehlende Anbringung, sondern oft auch qualitative Mängel. Daher gilt es bei den Geräten auf die Zulassung durch den „Verband der Schadensversicherer“ zu achten, dessen Prüfinstitut für eine strenge Kontrolle sorgt. Abgesehen von der Funktionstüchtigkeit der Geräte ist aber auch deren strategische Verteilung in den Räumlichkeiten wichtig. Mit Ausnahme von Küche und Bad (hier ist die Wahrscheinlichkeit eines Fehlalarms zu groß, wenngleich neuere Rauchwarnmelder inzwischen sehr wohl zwischen gefährlichem und ungefährlichem Dunst unterscheiden können) ist es denkbar, einen Warnmelder in jedem Raum anzubringen, besonders wichtig sind allerdings die Schlafzimmer.

Das liegt zum einen daran, dass Brände, ganz unabhängig von ihrer tatsächlichen Ursache, häufig nachts entstehen. Die Gefahr besteht nun nicht alleine darin, dass ein Brand zu solchen Zeiten zwangsläufig zu spät entdeckt wird, sondern vor allem in der Geruchlosigkeit des entstehenden Kohlenmonoxids. Während die Symptome einer Kohlenmonoxid-Vergiftung - Schwindel, Ermüdungserscheinungen, Übelkeit, in fortgeschritteneren Phasen Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod – im wachen Zustand noch bemerkt werden, ist das im Schlaf oftmals nicht der Fall. Da die schädliche Wirkung recht schnell einsetzen kann, ist eine rechtzeitige Warnung umso wichtiger.

Zu viel Spannung: Der Umgang mit Elektrizität

Auch wenn die Verkabelung in einem Neubau vielerlei potenzielle Probleme rund um das Thema Elektrizität ausschließen sollte – das gehören etwa alte, brüchige Kabel oder lose Steckdosen, die für rund 75 Prozent der Stromschläge im Haushalt verantwortlich sind –, ist das noch lange kein Grund für übertriebene Sorglosigkeit. Schließlich können die körperlichen Folgen eines Stromschlags nicht nur schmerzhaft, sondern gravierend (Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern, Herzstillstand, Atemstillstand in Folge von Muskelkrämpfen).

 

Stromschläge und Brandgefahr

Allerdings sind elektrische Leitungen nicht nur in dieser Hinsicht eine mögliche Gefahrenquelle, sie können unter Umständen auch für die Entstehung von Bränden sorgen. Das gilt beispielsweise für die ansonsten praktischen Mehrfachsteckdosen, die in vielen Haushalten zum Einsatz kommen. Die sind zwar üblicherweise für eine maximale Leistung von 3.500 Watt ausgelegt, die sollte dann aber auch tunlichst nicht überschritten werden. Sind Mehrfachsteckdose und das dazugehörige Kabel zu lange einer zu hohen Stromlast ausgesetzt, droht ein Überhitzen. Das wiederum kann, sollte es nicht rechtzeitig bemerkt werden, der Auslöser für Schwelbrände oder Schlimmeres sein.

FI-Schalter gegen Fehlerstrom

Besserer Schutz durch schnellere Reaktionszeiten – deswegen sind FI-Schutzschalter in Neubauten Pflicht.

Um sowohl Stromschläge als auch Brandrisiken ausschließen zu können, ist ein FI-Schutzschalter seit 2009 verpflichtend in Neubauten. Die englische Bezeichnung Residual Current Protective Device, was so viel wie „Fehlerstrom-Schutzeinrichtung“ bedeutet, gibt einen Eindruck davon, worin seine Aufgabe in einem Haushalt besteht.

Im Vergleich zu herkömmlichen Sicherungen hat der FI-Schutzschalter zwei klare Vorteile: Er reagiert schon einer Stromstärkedifferenz von 10 bis 30 Milliampere (normale Sicherungen schalten sich erst bei 16 Ampere ab) und das in einem Zeitraum von 8 Millisekunden. Damit ist in erster Linie ein besonders hoher Schutz vor Stromschlägen gewährleistet, allerdings leistet der FI-Schutzschalter natürlich in jeder Hinsicht gute Dienste.

Kindersichere Haushalte

Kindersicherungen für Steckdosen schützen vor gefährlichen Stromschlägen.

Kinder stellen die Einrichtung des Haushalts in puncto Sicherheitsbedürfnis noch einmal vor besondere Herausforderungen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass viele Gefahrenherde für Kinder mit den Augen eines Erwachsenen gar nicht so wirken. Wenn der eigene Haushalt kindersicher gestaltet werden soll, muss daher ein Perspektivwechsel vorgenommen werden. Die wichtigsten Fragen hierbei müssen lauten:

Was ist interessant?

Was kann das Kind erreichen?

Wofür brauche ich eventuell Hilfsmittel?

Nicht vergessen – mit dem Heranwachsen spielen auch immer neue Faktoren eine Rolle. Spielt sich das Leben von Kleinkindern noch hauptsächlich in Bodennähe ab, so eröffnet mehr Körpergröße völlig neue Möglichkeiten, was gleichbedeutend ist mit mehr Gefahrenquellen.

Welche sind das nun? Der TÜV Rheinland hat zur Klärung dieser Frage eine Zusammenstellung Raum für Raum vorgenommen, in der die jeweiligen Risikofaktoren aufgelistet sind. Dazu kommen mit Steckdosen, Fenstern, Türen, beweglichen Möbelstücken und Elektrogeräten potenzielle Gefahrenherde, die in allen Räumlichkeiten vorzufinden sind.

Allerdings sind die meisten davon – sofern notwendig – mit geringem Aufwand auszuschließen. Hierunter fallen etwa Befestigungen für Möbel oder Kindersicherungen für Steckdosen. Wichtiger Hinweis für den Kauf von Sicherheitsprodukten: Das GS-Siegel beachten, denn damit sind Sicherheit und Schutz auf jeden Fall gewährleistet.

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